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Ayurveda boomt – Doch was ist das?
Ayurveda hat seinen Ursprung in Indien und wird seit über mehreren tausend Jahren praktiziert. Der Begriff „Ayurveda“ kommt aus dem Sanskrit und setzt sich aus den Wörtern „Ayus“ (Leben) und „Veda“ (Wissen) zusammen, also das Wissen vom Leben. Bei Ayurveda handelt es sich folglich um ein ganzheitliches System mit dem Ziel, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen und die Gesundheit durch natürliche Mittel – wie zum Beispiel durch die Ernährung – zu fördern.
Ursprünge und Geschichte
Ayurveda ist tief in der indischen Kultur verwurzelt und gilt als eines der ältesten Gesundheitssysteme der Welt. Seine Wurzeln reichen bis in die vedische Zeit zurück, eine Epoche, die etwa 1500 v. Chr. begann. Es wird angenommen, dass das Wissen des Ayurveda von den Rishis (Weisen) der Veden durch Meditation und spirituelle Praktiken erlangt wurde. Diese Weisen sammelten und systematisierten ihr Wissen in den vedischen Texten, den sogenannten Veden.
Die Veden sind die ältesten heiligen Schriften Indiens und bestehen aus vier Hauptsammlungen:
- Rigveda
- Samaveda
- Yajurveda
- Atharvaveda
Der Atharvaveda ist einer der Ursprünge des Ayurveda, da er viele medizinische Hymnen und Beschreibungen von Heilpflanzen enthält. In diesem Text werden grundlegende Prinzipien der ayurvedischen Medizin erwähnt, die später in den klassischen ayurvedischen „Samhitas“ weiterentwickelt wurden.
Die klassischen ayurvedischen Texte
Die wichtigsten klassischen Texte des Ayurveda sind das Charaka Samhita, das Sushruta Samhita und das Ashtanga Hridaya. Diese drei Texte bilden die Grundlage des heutigen Ayurveda und enthalten detaillierte Anweisungen zu Diagnose, Behandlung und Prävention von Krankheiten.
- Charaka Samhita („Die Lehre von Charaka“) wird Maharishi Charaka zugeschrieben und gilt als einer der wichtigsten Texte des Ayurveda mit umfangreichen Informationen über die innere Medizin. Charaka betont, dass die allgemeine Gesundheit von den Faktoren Ernährung, Lebensweise und psychische Gesundheit abhängig ist.
- Sushruta Samhita („Die Lehre von Sushruta“) wird Maharishi Sushruta zugeschrieben und ist bekannt für seine detaillierten Beschreibungen von chirurgischen Techniken. Das „älteste Buch über Chirurgie“ enthält umfassende Anweisungen zu verschiedenen Operationen, anatomischen Studien und der Behandlung von Verletzungen.
- Ashtanga Hridaya (Das „Herz der acht Glieder“) kombiniert die Lehren des Charaka Samhita und Sushruta Samhita und bietet eine systematische Darstellung der ayurvedischen Prinzipien und Praktiken. Damit ist die Ashtanga Hridaya ein beliebtes Lehrbuch für ayurvedische Studierende.
Weiterentwicklung und Verbreitung
Über Jahrhunderte hinweg wurden diese Texte kommentiert, erweitert und verfeinert, was zur Entwicklung einer umfassenden medizinischen Wissenschaft führte. Das Wissen des Ayurveda wurde mündlich von Generation zu Generation weitergegeben und später in schriftlicher Form systematisiert. Auf diese Weise wurde das Wissen über Jahrtausende hinweg bewahrt und verbreitet.
Stimmt das denn?
So genau lässt sich das natürlich nicht rekonstruieren. Allerdings machte der Professor Andrea Cucina von der Universität von Missouri-Columbia 2001 die Entdeckung, dass die alten Inder von Mehrgarh im heutigen Pakistan schon zwischen 7000 und 6000 v. Chr. zahnärztliche Kenntnisse besessen haben. Es wurden Zähne gefunden, in die kleine Löcher mit etwa 2,5 mm Durchmesser gebohrt waren, die vermutlich mit Pflanzenpasten ausgefüllt worden waren.
Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. beschrieben indische Ärzte die menschliche Anatomie (Sehnen, Nerven, Muskeln, etc.) sehr genau und hatten ein gutes Verständnis der menschlichen Verdauung und des Blutkreislaufs. In Sri Lanka gab es 427 v. Chr. die ersten Spitäler für Menschen und Tiere, für die sogar Heilpflanzen importiert und angebaut wurden.

Ayurveda-Tradition in Indien und Europa heute
In Indien gibt es unzählige Ayurveda-Zentren: Diese bieten beispielsweise ärztliche Konsultationen, Kräutermedizin, Ayurveda-Massagen, Yoga und Meditation. Oft findet man diese Zentren in Regionen wie Kerala, Karnataka, Tamil Nadu und Himachal Pradesh, wo die Ayurveda-Tradition besonders stark vertreten ist.
Die Verbreitung des Ayurveda nach Europa begann im 19. Jahrhundert, als europäische Forscher begannen, sich für die traditionellen Heilmethoden Indiens zu interessieren. Mit der Kolonialisierung Indiens kamen auch westliche Wissenschaftler und Mediziner in Kontakt mit Ayurveda. Später wurden Ayurveda-Praktiken und -Konzepte in den Westen eingeführt und weiterentwickelt, insbesondere durch Maharishi Mahesh Yogi und Dr. Vasant Lad.
Heute gibt es in vielen europäischen Ländern ein steigendes Interesse an Ayurveda. So verwundert es nicht, dass sich Ayurveda-Zentren und -Kliniken schon in Städten wie London, Berlin, Zürich und Amsterdam etablieren konnten. Menschen suchen zunehmend nach alternativen und ganzheitlichen Ansätzen zur Gesundheitsförderung und Ayurveda bietet hierfür eine attraktive Option.
Grundprinzipien des Ayurveda
Die drei Doshas: Vata, Pitta, Kapha
Ayurveda basiert auf dem Konzept der sogenannten Doshas, die grundlegende Energieprinzipien darstellen und Körper und Geist beeinflussen. Die drei Doshas sind:
- Vata: Steht für Luft und Raum, beeinflusst Bewegung und Kreativität.
- Pitta: Steht für Feuer und Wasser, reguliert Stoffwechsel und Verdauung.
- Kapha: Steht für Erde und Wasser, sorgt für Stabilität und Struktur.
Alle drei Doshas kommen laut ayurvedischer Medizin in jedem Menschen vor, da sie gemeinsam alle Vorgänge im Organismus ermöglichen. In einem gesunden Körper sollten sich diese Doshas in einem harmonischen Gleichgewicht befinden, da sie sonst Fehler im System hervorrufen. Im Gesamteindruck gibt es bei jedem Individuum ein oder zwei generell vorherrschende Doshas, seltener sind alle drei gleich stark ausgeprägt.
Kurzer Test: Welches ist dein dominierendes Dosha?
- Welche der folgenden Eigenschaften beschreibt dich am besten?
- a) Kreativ, unruhig, schnell
- b) Zielstrebig, hitzig, energisch
- c) Ruhig, beständig, tolerant
2. Wie ist dein Verdauungssystem?
- a) Unregelmäßig, häufige Blähungen
- b) Starke Verdauung, oft heißer Magen
- c) Langsame Verdauung, Neigung zu Übergewicht
3. Wie gehst du mit Stress um?
- a) Ängstlich, schnell gestresst
- b) Gereizt, schnell wütend
- c) Gelassen, du nimmst es locker
4. Wie ist deine Schlafqualität?
- a) Leicht gestört, oft unterbrochen
- b) Durchschnittlich, du kannst schnell einschlafen
- c) Tief und lang, schwer zu wecken
5. Wie ist deine Haut?
- a) Trocken, rau und empfindlich
- b) Ölig, hitzig und zu Ausschlägen neigend
- c) Dick, feucht und glatt
6. Welche Art von Klima bevorzugst du?
- a) Warmes und trockenes Klima
- b) Kühles und gemäßigtes Klima
- c) Warmes und feuchtes Klima
7. Wie ist dein Energielevel während des Tages?
- a) Schwankend, oft müde
- b) Konzentriert, aber schnell ermüdend
- c) Konstant, aber langsam
8. Was isst du gern?
- a) Leichte, knusprige und trockene Speisen
- b) Würzige, saure und scharfe Speisen
- c) Süße, schwere und ölige Speisen
9. Wie ist dein Temperament?
- a) Schnell besorgt, wechselhaft
- b) Heißblütig, leicht reizbar
- c) Gelassen, schwer zu verärgern
Gespannt? Zähle für jede Antwort a) einen Punkt für Vata, für jede Antwort b) einen Punkt für Pitta und für jede Antwort c) einen Punkt für Kapha. Addiere alle Punkte, und du wirst schnell herausfinden, welches Dosha bei dir dominiert.

Nun haben wir dein übergeordnetes Dosha ermittelt. Im Ayurveda wird ein Gleichgewicht angestrebt – auch von den Doshas her. Hast du zum Beispiel ein übermäßiges Pitta-Dosha, das über viel „Verdauungsfeuer“ verfügt, würden dir kühlende Eigenschaften in Nahrungsmitteln und ein entsprechender Lebensstil guttun.
Auf diese Weise kann der Körper sein Gleichgewicht wiedererlangen. Ein Ungleichgewicht der Doshas kann zu Unwohlsein oder gar Krankheit führen. Das Ziel von Ayurveda ist es, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen und zu erhalten, indem individuelle Bedürfnisse berücksichtigt und entsprechend angepasst werden.
Nahrungsmittel für Vata, Pitta und Kapha
- Vata: Menschen mit dominierendem Vata sollten warme, gekochte und nährende Nahrungsmittel zu sich nehmen. Ideal sind warme Milch, Ghee, gekochtes Gemüse und süße Früchte.
- Pitta: Für Pitta-Typen sind kühlende und nicht reizende Nahrungsmittel vorteilhaft. Dazu gehören Milchprodukte, süße Früchte, bitteres Gemüse und erfrischende Getränke.
- Kapha: Eine leichte, trockene und würzige Ernährung hilft, das Kapha-Gleichgewicht zu halten. Geeignet sind Bohnen, Linsen, scharf gewürzte Speisen und grünes Blattgemüse.
Allgemeine Ernährungs-Empfehlungen
Für alle Menschen gilt im Ayurveda Folgendes:
- nur bei Hunger essen
- erst wieder essen, nachdem die letzte Mahlzeit verdaut wurde
- die Hauptmahlzeit mittags einnehmen, wenn die Verdauung am stärksten funktioniert
- nie in Unruhe, Stress, Eile oder im Stehen essen – sondern in Ruhe
- sich nicht völlig satt essen, „nur zwei Hände voll“
- frische, der eigenen Konstitution, der Jahreszeit und der Umgebung angepasste Lebensmittel essen
- alle sechs ayurvedischen Geschmacksrichtungen in jeder Mahlzeit zu sich nehmen: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb
- keine natürlichen Bedürfnisse (Stuhlgang, Aufstoßen, Gähnen, Weinen etc.) unterdrücken
Gewürze
Außerdem wird Gewürzen eine besondere Bedeutung zugeschrieben: Sie werden nicht nur verwendet, um den Geschmack von Speisen zu verbessern, sondern auch um die Verdauung zu fördern, den Stoffwechsel anzukurbeln und die Doshas auszugleichen. Jedes Gewürz hat seine eigenen einzigartigen Eigenschaften und Wirkungen auf den Körper. Zum Beispiel gilt Kurkuma als entzündungshemmend, Ingwer fördert die Verdauung, und Kreuzkümmel hilft bei der Entgiftung.
- Kurkuma: Entzündungshemmend
- Ingwer: Fördert die Verdauung und stärkt das Immunsystem
- Kreuzkümmel: Hilft bei der Verdauung und entgiftet
- Kardamom: Beruhigt den Magen und fördert die Verdauung
- Zimt: Reguliert den Blutzuckerspiegel und wirkt entzündungshemmend
- Fenchelsamen: Unterstützen die Verdauung und lindern Blähungen
- Safran: Verbessert die Stimmung
- Koriandersamen: Kühlen den Körper und fördern die Verdauung
- Muskatnuss: Beruhigt das Nervensystem und fördert den Schlaf

Fazit
Ayurvedische Ernährung halt also nichts mit „Ernähre dich so – dann bist du gesund“ zu tun. Sie basiert auf Individualität. Statt einem starren Plan zu folgen, berücksichtigt die ayurvedische Ernährung die einzigartige Konstitution eines jeden Menschen. Außerdem geht es nicht nur darum, was wir essen, sondern auch, wie wir essen, wann und in welchem Zustand.